Technikleitbild des Buckelpistenfahrens

Inhalt

1  Körperlage

2  Oberkörperhaltung

3  Skistellung

4  Ausgleichsbewegung der Beine

5  Stockeinsatz

6  Fahrlinie

7  Grundschwung des Buckelpistenfahrens

 

Die hier kurz dargestellte Technik orientiert sich an der im Wettkampf verwendeten Technik. Sie weicht in vielen Teilen stark von der im Deutschen Skilehrplan beschriebenen Technik ab. Sie ist effizient und befähigt den Sportler, eine Buckelpiste sportlich schnell und zugleich sicher zu bewältigen.

1  Körperlage

Der Körper befindet sich, wie beim Fahren auf der glatten Piste, in Mittellage. Trotzdem scheint selbst ein guter Buckelpistenfahrer oftmals in Rücklage zu fahren. Das liegt daran, dass die Mittellage fälschlicher Weise in Bezug zur Hangneigung betrachtet wird.

Um beim Auffahren auf den Buckel nicht vornüber zu fallen, muss der Buckel (also das flacher werdende Gelände) antizipiert werden. D.h., der Körperschwerpunkt muss, wie beim Übergang vom steilen ins flache Gelände, nach hinten verlagert werden. Dies geschieht beim Ausgleichen des Buckels durch die Beugebewegung der Beine von selbst: Da der Skischuh nur eine sehr begrenzte Bewegung des Unterschenkels nach vorne zulässt, wird der Körperschwerpunkt durch das Anziehen der Beine automatisch nach hinten verlagert. Die „Rücklage“ wird um so ausgeprägter, je stärker die Ausgleichsbewegung durchgeführt wird.

In Bezug zur Hangneigung wäre also von einer Rücklage zu sprechen, in Bezug zur Neigung des Buckels handelt es sich jedoch – bei technisch korrekter Fahrweise – um  Mittellage. Man spricht von "optischer" Rücklage.

Analog dazu muss direkt nach dem Überfahren des Buckels der Körperschwerpunkt nach vorne verlagert werden.

2  Oberkörperhaltung

Der Oberkörper wird möglichst aufrecht gehalten. Ein stark nach vorne gebeugter Oberkörper behindert einerseits die Beinbewegung (geringerer Bewegungsspielraum) und führt andererseits zu einer starken Belastung der Lendenwirbelsäule.

In Bezug zur Körperlängsachse bleibt der Oberkörper ruhig und ist stets ins Tal gerichtet. Es erfolgt dementsprechend keinerlei Rotation im Oberkörper. D.h., Schulter- und Hüftachsen befinden sich kontinuierlich in einem Winkel von 90 Grad zur Fallinie.

Im Gegensatz zum Parallelen Grundschwung (vgl. Skilehrplan DSV) wird auf eine “neutrale Hüftposition” kein Wert gelegt. Die Steuerqualität leidet zwar darunter, das ist aber beim Buckelpistenfahren nur von untergeordneter Bedeutung.

Um den Oberkörper und die Hüfte beim Schwingen um den Buckel nicht zu verdrehen, wird „geswitcht“. Dabei wird die „Aussenhüfte“ (und damit der Aussenski!) genau so weit zurückgenommen, dass die Hüftachse in einem Winkel von 90 Grad zur Fallinie bleibt. Es ist eine Frage der Betrachtungsweise, ob man switcht, um die Hüfte ruhig zu halten, oder ob man die Hüfte ruhig hält und dadurch automatisch switcht.

Die Position der Hüfte überträgt sich bis hinunter zur Lage der Ski zueinander: Eine gedachte Achse von Skispitze zu Skispitze oder von Fußspitze zu Fußspitze wäre stets parallel zur Hüftachse.

3  Skistellung

Die Ski werden beim Buckelpistenfahren in einer parallel geschlossenen Skistellung, jedoch nicht im Block (vgl. vorhergehenden Absatz "switchen"), geführt. Mit geschlossener Skistellung ist hier “eng geschlossen” gemeint, so dass beide Beine ständig Kontakt zueinander haben.

Das hat folgende Vorteile:

  • Beide Ski machen das Gleiche und sind somit einfacher zu kontrollieren. Bei offener Skistellung kann es passieren, dass ein Ski über den Buckel und der andere durch die Mulde fährt. Einerseits ist es dadurch schwieriger, das Gleichgewicht zu halten und andererseits überkreuzen die Skier nach dem Überfahren des Buckels sehr leicht.
  • Die Ski befinden sich näher an der Körperlängsachse. Dadurch wird das Drehmoment, welches erforderlich ist, um den Ski zu drehen, geringer (der Hebelarm, also der Abstand vom Drehpunkt bis zum Ski, wird kürzer) und die Ski können folglich mit geringerem Kraftaufwand – bzw. bei gleichem Kraftaufwand schneller – gedreht werden.

4  Ausgleichsbewegung der Beine

Um einen kontinuierlichen Ski-Schnee-Kontakt sicherzustellen, wird mit den Beinen eine Ausgleichsbewegung durchgeführt. Dies ist zum einen die Voraussetzung für die Tempokontrolle und zum anderen erleichtert es die Erhaltung des Gleichgewichts.

Das Ausgleichen der Buckel wird durch ein den Buckeln angepasstes Beugen und Strecken der Beingelenke (Fuß-, Knie- und Hüftgelenk) erreicht. Dabei werden beim „Schlucken“ der Buckel die Beine aktiv angezogen . Nach dem Überfahren des Buckels werden die Beine so schnell wie möglich in die Mulde gestreckt. Damit der Ski-Schnee-Kontakt erhalten bleibt, bzw. möglichst schnell wieder hergestellt werden kann, ist das Strecken der Beine mit einem nach-unten-drücken der Skispitzen verbunden.

Das Buckelprofil wird durch eine vom Skifahrer aktiv durchgeführte Bewegung „nachgezeichnet". Der Oberkörper bleibt dabei aufrecht, ruhig und immer auf gleicher Höhe. Er dient den schnellen Beinbewegungen als Widerlager.

Der Gesamtdruck der Ski auf den Schnee soll in jeder Phase des Schwungs gleich bleiben, was sich jedoch bei höherem Fahrtempo nicht mehr vollständig realisieren lässt. Das Fahrtempo, bei dem das gerade noch möglich ist, hängt vom individuellen Fahrkönnen ab.

Aktionen der Beine:

  • Beugen: Mit Beginn des Buckels kommen die Knie nach oben, möglichst aktiv vom Fahrer angezogen, teils aber auch passiv durch den Buckel nach oben gedrückt.
  • Strecken: Unmittelbar nach überfahren des Buckels werden die Beine so schnell wie möglich in die darauffolgende Mulde gestreckt und, um den Schneekontakt zu halten, gleichzeitig durch ein Strecken der Fußgelenke die Skispitzen nach unten gedrückt.

Das Beugen und Strecken ist in Schnelligkeit und Ausprägung dem Buckelprofil und dem Fahrtempo angepasst. Das heißt, die Beine werden nur so weit gebeugt, wie es für die Ausgleichsbewegung auch notwendig ist. Das Fahren mit anhaltend stark gebeugten Bein- und Hüftgelenken hat mehrere Nachteile:

  • Der zur Verfügung stehende Federweg ist entsprechend kürzer und der Ski-Schnee-Kontakt geht dadurch eher verloren.
  • Eine tiefe Beugestellung ist muskelphysiologisch ungünstig. Der Hauptstrecker des Kniegelenks, der zweigelenkige quadriceps femoris, entwickelt die höchste Kraft bei gestrecktem Hüftgelenk.
  • Gegen eine anhaltend tiefe Beugestellung spricht auch die Belastung, die dabei auf die Kniescheibe wirkt. Je größer der Kniebeugewinkel ist, desto größer sind die Druckwerte auf der Kniescheibe.

5  Stockeinsatz

Der Stockeinsatz dient als Rhythmus- und Balancehilfe, zum Abstützen wird er, entgegen der Lehrmeinung beim DSV, nur bei einem Fahrfehler verwendet. Der Stockeinsatz erfolgt seitlich direkt neben der Skispitze auf dem höchsten Punkt des Buckels. Erfolgt der Stockeinsatz zu weit hinten führt das zur Rücklage, wird er zu weit seitlich eingesetzt führt das zum "Aufdrehen" des Oberkörpers und der Fahrtrhythmus wird gestört.

Der Skistock wird nur möglichst kurz in den Schnee eingesetzt, ein langes Steckenlassen führt zu unökonomischen und weit ausladenden Bewegungen der Arme.

6  Fahrlinie

Im Prinzip wird um die Buckel herum geschwungen und bei jedem Buckel ein Schwung gemacht. Die Buckel geben somit den Schwungrhythmus vor.

Bei dieser Fahrlinie sind die auszugleichenden Höhenunterschiede am geringsten: Es müssen nur die relativ niedrigen Übergänge von Mulde zu Mulde ausgeglichen werden. An den höchsten Stellen der Buckel fährt man vorbei. Der Nachteil ist, dass die Skienden nicht beliebig aus der Fallinie herausgedreht werden können - es muss also mit einem gewissen Mindesttempo gefahren werden.

Diese Fahrlinie entspricht der bei Wettkämpfen geforderten und tatsächlich auch gefahrenen Spur. Abhängig von den skispezifischen Fertigkeiten, kann die Spur direkter und damit schneller gefahren werden. Die auszugleichenden Höhenunterschiede zwischen den Tälern werden damit größer und die Ausgleichsbewegung der Beine muss in Amplitude und Frequenz entsprechend angepasst werden.

7  Grundschwung des Buckelpistenfahrens

Unter dem Grundschwung des Buckelpistenfahrens verstehen wir eine Fahrtechnik, die in glatter, flacher Piste aber mit dem Technikleitbild des Buckelpistenfahrens gefahren wird. Also „Buckelpistenfahren ohne Buckel“ (damit ist nicht der Tiefschwung gemeint!)

Die Technikmerkmale des Grundschwungs ergeben sich aus den zuvor beschriebenen Kriterien.

Insbesondere sind das:

  • Beibehaltung der Mittellage
  • Aufgerichteter und ruhiger Oberkörper
  • Geschlossene Skistellung
  • Schwingen ohne Vertikalbewegung, da eine Ausgleichsbewegung der Beine in der glatten Piste nicht notwendig und sinnvoll ist
  • Rhythmischer, kurzer Stockeinsatz; Arme und Hände bleiben vor dem Körper und werden ruhig gehalten
  • Rhythmischer Kurzschwung
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